Sport als optimale Selbsthilfe-Maßnahme bei ADHS?
.jpg)
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine häufig vorkommende psychische Störung, die durch eine Imbalance der Neurotransmitter im Gehirn verursacht wird und unbehandelt häufig mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergeht.
Leider sind lange Wartezeiten auf Therapieplätze ein enormes Problem in der Gesundheitsversorgung Deutschlands. Viele Betroffene von ADHS fühlen sich damit alleingelassen. Um die Zeit bis zum Therapiebeginn bestmöglich zu überbrücken und Symptome zu lindern, gibt es einige hilfreiche Maßnahmen, die ADHS-Patient*innen selbst ergreifen können. Eine besonders wirksame Maßnahme ist regelmäßige körperliche Aktivität.
Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität verschiedene Symptome von ADHS positiv beeinflussen kann. Einige Sportarten sind dabei effektiver als andere.
Die positiven Auswirkungen von Sport auf Körper und Geist sind allgemein bekannt.
Allerdings kann man ihn auch gezielt einsetzen, um Symptome von konkreten Störungen zu lindern. Insbesondere ADHS-Patient*innen können von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren, beispielsweise durch die von Sport ausgelöste Ausschüttung von Dopamin.
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der vorwiegend im Belohnungszentrum unseres Gehirns wirkt. Menschen mit ADHS haben meist einen etwas niedrigeren Dopaminspiegel im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Sport kann dabei helfen, diesen auf natürliche Weise anzuheben und damit Symptome zu lindern. Bewegung kann eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen und therapeutischen Behandlung sein.
Weiterhin kann Sport die Exekutivfunktionen verbessern. Diese sind bei ADHS häufig beeinträchtigt und umfassen Fähigkeiten wie Zeitmanagement, Organisation und Planung, Multitasking und Aufmerksamkeitssteuerung. Studien haben gezeigt, dass die positiven Effekte im Bereich der Exekutivfunktionen nicht nur während der körperlichen Aktivität oder kurz danach wirken, sondern bei regelmäßiger Betätigung auch langfristige Verbesserungen herbeiführen können. Auch das Selbstbewusstsein und allgemeine Wohlbefinden sowie die Gedächtnisleistung, Impulskontrolle und kognitive Flexibilität der Betroffenen profitieren von sportlicher Aktivität.
Neben den kognitiven Effekten kann Sport auch zu weniger sozialen Problemen und Aggressionen beitragen.
Wie bereits erwähnt, gibt es bestimmte Sportarten, die sich in Studien als besonders effektiv im Verbessern der Symptomatologie gezeigt haben. Besonders aerobes Training kann ADHS-Patient*innen helfen, Herausforderungen im Alltag besser zu bewältigen.
Für Kinder und Jugendliche werden 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag empfohlen. Dabei muss es sich nicht um eine gezielte sportliche Betätigung handeln – auch eine Fahrradtour mit der Familie kann ein gutes Ventil für überschüssige Energie sein. Basketball, Fußball, Hockey oder Tennis sind ebenfalls gute Optionen. Natürlich kann das Kind individuell entscheiden, was ihm oder ihr am meisten Spaß macht.
Für Erwachsene können aerobe Aktivitäten wie Joggen, Fahrradfahren, Rudern, Spinning- oder HIIT-Kurse, Boxen und Kickboxen sowie Gewichtheben effektiv sein. Vor allem Abwechslung ist wichtig, da Betroffene von ADHS oft Schwierigkeiten haben, fokussiert zu bleiben, und sich dadurch schnell von eintönigen Tätigkeiten gelangweilt fühlen.
Sport beeinflusst nicht nur ADHS positiv, sondern auch andere psychische Störungen wie beispielsweise Depressionen. Diese können auch gemeinsam auftreten. Zwischen 65 und 89 Prozent der erwachsenen ADHS-Patient*innen leiden in ihrem Leben unter mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung. 35 bis 50 Prozent von ihnen sind von mindestens einer depressiven Episode betroffen. Studien zeigen, dass Betroffene von Depressionen, die anfangen, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, geringere Depressionswerte aufweisen als solche, die dies nicht tun. Sport kann also auch die Symptome von Depressionen wirksam reduzieren.
Da ADHS und Depressionen häufig gemeinsam auftreten und körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Symptomatik beider Störungen hat, ist sie als Intervention und Maßnahme zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gut geeignet.
Quellen:
https://www.healthline.com/health/fitness/adhd-and-exercise#exercises-for-adults-with-adhd
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6945516/
https://ijbnpa.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12966-021-01135-6
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2695217/
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00406-006-1004-4.pdf