ACT bei Autismus: Wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie unterstützen kann

Viele autistische Erwachsene erleben im Alltag wiederkehrende Belastungen – etwa durch Reizüberflutung, soziale Anforderungen oder den Druck, sich an die Erwartungen anderer anzupassen. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) kann dabei unterstützen, einen hilfreichen Umgang mit diesen Herausforderungen zu entwickeln.

Was ist ACT?

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) gehört zu den modernen verhaltenstherapeutischen Verfahren. Ziel ist es nicht, Autismus oder einzelne Eigenschaften zu verändern. Stattdessen steht im Mittelpunkt, belastende Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen, und das eigene Handeln stärker an den persönlichen Werten auszurichten.

Dabei spielen Achtsamkeit, Selbstakzeptanz und psychologische Flexibilität eine wichtige Rolle.

Wie kann ACT bei Autismus helfen?

ACT kann autistische Menschen dabei unterstützen, mit Stress, Unsicherheit oder belastenden Emotionen umzugehen. Anstatt Energie darauf zu verwenden, jede schwierige Situation kontrollieren oder vermeiden zu müssen, fördert ACT den bewussten Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen.

ACT kann zudem dabei unterstützen, eigene Bedürfnisse und Grenzen bewusster wahrzunehmen und Überlastung früher zu erkennen. ACT verfolgt dabei einen neurodiversitätsfreundlichen Ansatz: Ziel ist nicht, autistische Merkmale zu unterdrücken, sondern Strategien für einen selbstbestimmten Alltag zu entwickeln.

Was sagt die Forschung?

Die wissenschaftliche Evidenz zu ACT bei Autismus wächst. Erste Studien zeigen, dass ACT unter anderem psychische Belastungen reduzieren, die psychologische Flexibilität fördern und die Lebensqualität verbessern kann. Besonders bei gleichzeitig bestehenden Angst- oder Depressionssymptomen kann ACT eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Unterstützungsangeboten sein.

Fazit

ACT möchte Autismus nicht verändern, sondern Menschen dabei unterstützen, mit den Herausforderungen des Alltags hilfreicher umzugehen. Der Fokus liegt auf Selbstakzeptanz, einem bewussten Umgang mit belastenden Gedanken und einem Leben, das sich an den eigenen Werten orientiert. Für viele autistische Erwachsene kann ACT deshalb ein wertvoller Baustein einer individuellen psychotherapeutischen Begleitung sein.

Quellen

  • Byrne, G., & O’Mahony, T. (2020). Acceptance and commitment therapy (ACT) for adults with intellectual disabilities and/or autism spectrum conditions (ASC): A systematic review. Journal of Contextual Behavioral Science, 18, 247–255. https://doi.org/10.1016/j.jcbs.2020.10.001
  • Pahnke, J., Jansson-Fröjmark, M., Andersson, G., Bjureberg, J., Jokinen, J., Bohman, B., & Lundgren, T. (2023). Acceptance and commitment therapy for autistic adults: A randomized controlled pilot study in a psychiatric outpatient setting. Autism, 27(5), 1461-1476. https://doi.org/10.1177/13623613221140749
  • Pahnke, J., Hirvikoski, T., Bjureberg, J., Bölte, S., Jokinen, J., Bohman, B., & Lundgren, T. (2019). Acceptance and commitment therapy for autistic adults: An open pilot study in a psychiatric outpatient context. Journal of Contextual Behavioral Science, 13, 34–41. https://doi.org/10.1016/j.jcbs.2019.04.002