Viele Erwachsene mit ADHS kennen das Gefühl, sich immer wieder selbst im Weg zu stehen. Gute Vorsätze scheitern, Aufgaben bleiben liegen und Selbstkritik wird zum ständigen Begleiter. Neben einer medikamentösen Behandlung oder anderen psychotherapeutischen Verfahren kann auch die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) eine hilfreiche Unterstützung sein.
Was ist ACT?
ACT ist eine moderne Form der Verhaltenstherapie. Im Mittelpunkt steht nicht das Ziel, belastende Gedanken oder Gefühle vollständig zu verändern. Stattdessen lernen Betroffene, einen neuen Umgang mit ihnen zu entwickeln und den Fokus auf das zu richten, was ihnen im Leben wichtig ist.
Dabei spielen unter anderem Achtsamkeit, Selbstakzeptanz und psychologische Flexibilität eine zentrale Rolle.
Wie kann ACT bei ADHS helfen?
Menschen mit ADHS erleben häufig innere Unruhe, Frustration oder Selbstzweifel. ACT setzt genau hier an. Anstatt gegen diese belastenden Gedanken anzukämpfen und das „ADHS-Gehirn“ umzuprogrammieren, geht es darum, Gedanken, Gefühle und innere Erfahrungen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen.
Gleichzeitig unterstützt ACT dabei, eigene Werte zu erkennen und trotz Schwierigkeiten konkrete Schritte in diese Richtung zu gehen. Das kann beispielsweise helfen, Aufgaben anzugehen, auch wenn Motivation oder Konzentration gerade fehlen.
Ziel ist es, weniger Energie darauf zu verwenden, unangenehme innere Zustände zu vermeiden, und stattdessen handlungsfähig zu bleiben.
Was sagt die Forschung?
Studien deuten darauf hin, dass ACT bei Erwachsenen mit ADHS unter anderem den Umgang mit emotionaler Belastung verbessern sowie die psychische Flexibilität stärken kann. Sie ersetzt jedoch nicht andere Behandlungsformen, sondern kann – je nach individueller Situation – eine sinnvolle Ergänzung sein.
Fazit
ACT verfolgt einen anderen Ansatz als viele klassische Strategien zur Symptomkontrolle. Statt belastende Gedanken oder Gefühle beseitigen zu wollen, unterstützt die Therapie dabei, einen hilfreichen Umgang mit ihnen zu entwickeln und das eigene Handeln stärker an persönlichen Werten auszurichten. Für viele Erwachsene mit ADHS kann dies eine wertvolle Ergänzung im Rahmen einer individuellen Behandlung sein.
Quellen
- Munawar, Khadeeja & Choudhry, Fahad & Lee, Sook Huey & Siau, Ching & Kadri, Nursyuhaidah & Sulong, Rose Manisah & Noor Mohamed, Adam. (2021). Acceptance and Commitment Therapy for Individuals Having Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD): A Scoping Review. Heliyon. 7. 10.1016/j.heliyon.2021.e07842. https://www.cell.com/heliyon/fulltext/S2405-8440(21)01945-9?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS2405844021019459%3Fshowall%3Dtrue
- Seery, C., Leonard-Curtin, A., Naismith, L., King, N., Kilbride, K., Wrigley, M., Boyd, C., McHugh, L., & Bramham, J. (2023). The understanding and managing adult ADHD programme: A qualitative evaluation of online psychoeducation with acceptance and commitment therapy for adults with ADHD. Journal of Contextual Behavioral Science, 29, 254–263. https://doi.org/10.1016/j.jcbs.2023.08.005