Sexualität ist individuell – auch bei Menschen mit ADHS, Autismus oder AuDHS. Forschung zu AuDHS und Sexualität steht jedoch noch am Anfang. Die bisherige Studienlage untersucht ADHS und Autismus überwiegend getrennt. Aussagen darüber, wie sich beide gemeinsam auf Sexualität und Intimität auswirken, lassen sich deshalb bislang nur vorsichtig ableiten.
ADHS und Sexualität
Bei ADHS werden unter anderem Impulsivität, Unaufmerksamkeit und emotionale Dysregulation als mögliche Einflussfaktoren auf Sexualität diskutiert. Manche Menschen suchen beispielsweise häufiger neue oder intensive Reize, während andere Schwierigkeiten haben, während sexueller Begegnungen aufmerksam und präsent zu bleiben.
Eine Studie mit Erwachsenen mit und ohne ADHS fand in der ADHS-Gruppe mehr hypersexuelles Verhalten. Damit sind beispielsweise häufige oder intensive sexuelle Gedanken und Impulse gemeint, die teilweise schwer zu kontrollieren sein können. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Betroffene besonders häufig Sex haben oder eine behandlungsbedürftige Hypersexualität vorliegt. Bei riskantem Sexualverhalten und sexuellen Funktionsstörungen zeigten sich insgesamt dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Besonders bei Frauen mit ADHS standen einige Aspekte des Sexualverhaltens mit Impulsivität und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation in Zusammenhang. Das kann zum Beispiel bedeuten, in sexuellen Situationen spontaner zu entscheiden und mögliche Folgen weniger lange abzuwägen.
Autismus und Sexualität
Bei Autismus spielt häufig die sensorische Wahrnehmung eine besondere Rolle. Körperliche Berührungen können beispielsweise bei erhöhter Empfindlichkeit unangenehm oder schnell zu intensiv sein. Eine geringere sensorische Empfindlichkeit kann dagegen die sexuelle Erregung erschweren.
Neben sensorischen Besonderheiten können auch Unsicherheiten in intimen Situationen eine Rolle spielen. Manche Menschen mit Autismus berichten, dass es schwierig sein kann, Flirts oder unausgesprochene Signale zu deuten oder einzuschätzen, was die andere Person erwartet. Auch eigene Bedürfnisse zu kommunizieren kann herausfordernd sein. Etwa wenn eine Berührung unangenehm wird oder während des Sex eine Pause nötig ist. Dabei kann die Sorge entstehen, dass der oder die Partner*in dies als Ablehnung versteht. Klare Absprachen über Wünsche, Grenzen und Berührungen können deshalb besonders hilfreich sein.
Auch sexuelle Orientierung und Identität scheinen vielfältiger zu sein: Autistische Menschen geben häufiger nicht-heterosexuelle Orientierungen oder Asexualität an als nichtautistische Menschen.
Was kann im Alltag helfen?
Hilfreich ist vor allem, Bedürfnisse konkret zu besprechen: Welche Berührungen sind angenehm? Was führt zu Reizüberflutung? Wie viel Spontaneität oder Planung fühlt sich gut an? Ebenso wichtig sind klare Absprachen zu Grenzen, Verhütung und Einvernehmlichkeit. Gerade bei Autismus kann eine konkrete und verständliche Sexualaufklärung hilfreich sein.
Wichtig ist: Sex und körperliche Nähe dürfen jederzeit unterbrochen oder beendet werden, auch wenn man zunächst zugestimmt hat. Eine Pause einzufordern, eine Berührung abzulehnen oder die eigene Meinung zu ändern, ist weder falsch noch unhöflich. Zustimmung gilt immer nur so lange, wie sie sich für alle Beteiligten gut anfühlt.
Fazit
Es gibt nicht „die“ neurodivergente Sexualität. ADHS und Autismus können unterschiedliche Aspekte von Sexualität und Intimität beeinflussen. Entscheidend sind jedoch die individuellen Bedürfnisse, Grenzen und Erfahrungen.
Quellen
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