In diesem Beitrag erklären wir Schritt für Schritt, wie eine Diagnostik bei ADHS, Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder AuDHS in Deutschland typischerweise abläuft.
Der erste Schritt: Das diagnostische Gespräch
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die aktuelle Situation. Dabei geht es unter anderem um Beschwerden im Alltag, die persönliche Entwicklung und die Frage, seit wann bestimmte Herausforderungen bestehen.
Da sich ADHS und Autismus bereits in der Kindheit entwickeln, spielt auch die Lebensgeschichte eine wichtige Rolle – selbst wenn die Schwierigkeiten erst im Erwachsenenalter bewusst werden. Dafür können beispielsweise alte Schulzeugnisse oder andere Unterlagen aus der Kindheit herangezogen werden. Auch Interviews mit Eltern oder anderen nahen Angehörigen können wichtige Hinweise auf die frühe Entwicklung geben.
Standardisierte Verfahren ergänzen das Gespräch
Neben dem persönlichen Gespräch kommen wissenschaftlich entwickelte Fragebögen und strukturierte Interviews zum Einsatz. Sie helfen dabei, Symptome systematisch zu erfassen und die diagnostische Einschätzung zu unterstützen.
Wichtig ist: Kein einzelner Fragebogen kann eine Diagnose stellen. Entscheidend ist immer die Gesamtschau aller Informationen.
Andere Ursachen berücksichtigen
Viele Beschwerden, die bei ADHS oder Autismus auftreten können, kommen auch bei anderen psychischen oder körperlichen Erkrankungen vor. Deshalb gehört zu einer sorgfältigen Diagnostik immer auch die sogenannte Differenzialdiagnostik. Ziel ist es, mögliche andere Erklärungen zu berücksichtigen und die individuelle Situation möglichst genau einzuordnen.
Zum Abschluss: Das Auswertungsgespräch
Am Ende werden alle Informationen gemeinsam ausgewertet. Dabei wird besprochen, ob die diagnostischen Kriterien für ADHS, Autismus oder AuDHS erfüllt sind und welche nächsten Schritte sinnvoll sein können.
Besonderheiten bei AuDHS
Wenn ADHS und Autismus gemeinsam auftreten, können sich Merkmale beider Diagnosen gegenseitig beeinflussen oder überdecken. Dadurch kann die Diagnostik komplexer sein als bei nur einer der beiden Diagnosen.
Auch geschlechtsspezifische Unterschiede oder Masking – also das bewusste oder unbewusste Anpassen des eigenen Verhaltens – können dazu führen, dass Neurodivergenz lange unentdeckt bleibt. Eine sorgfältige Diagnostik berücksichtigt deshalb unterschiedliche Erscheinungsformen und orientiert sich gleichzeitig an den geltenden diagnostischen Kriterien.
Fazit
Eine Diagnostik besteht aus mehreren Bausteinen: vom ausführlichen Gespräch über standardisierte Verfahren bis zur gemeinsamen Auswertung der Ergebnisse. Sie soll nicht bewerten, sondern dabei helfen, die eigenen Erfahrungen besser zu verstehen und fundiert einzuordnen. Auch wenn der Weg zunächst komplex erscheint, schafft eine sorgfältige Diagnostik häufig mehr Klarheit und Orientierung.